Demo

Weniger Glutamat, bitte!

Lukas Weber

17.01.2022 10:00 Uhr

2021 durfte ich mehr als 40 Produktionswerke kennenlernen. Die meisten haben den Weg hin zum stärkeren Einsatz von Digitalisierung und Elementen der Industrie 4.0 eingeschlagen und entsprechende IT-Projekte gestartet. Die angestrebten Ziele sind klar: gesicherte Arbeitsplätze, hohe Effizienz und technologische Zukunftssicherheit.

Der Erfolg der gestarteten Digitalisierungs-Projekte hängt allerdings nur zu einem kleinen Teil von der eingesetzten Technologie ab. Bunte Dashboards bringen wenig, wenn das Shopfloor-Meeting nicht stattfindet oder wichtige Supportbereiche wie Instandhaltung oder Engineering überlastet sind. In vielen Unternehmen habe ich beobachtet, dass Digitalisierungsprojekte in der Produktion vorhandene organisatorische Probleme sogar eher verstärken als lösen.

"Geschmacksverstärker bringen wenig, wenn die Grundzutaten nicht passen. Ähnlich verhält es sich mit Industrie 4.0-Projekten."


Ist in einer Organisation die Kompetenz zur Problemlösung nur geringfügig ausgeprägt, bringt die beste Maschinendatenerfassung keinen Mehrwert. Es wird sogar noch schlimmer wenn Datenanalysen und Reports dann noch umfangreicher werden als sie eh schon sind.

Ähnlich verhält es sich mit Manufacturing Execution Systemen: Ist das System nicht auf die Prozesse und Verantwortlichkeiten auf dem Shopfloor ausgelegt, bringt das Projekt maximal für den IT-Anbieter einen echten Mehrwert.

Fehlende Führung auf dem Shopfloor kann nicht durch Software ersetzt werden

Interessant finde ich, dass bei vielen dieser Projekte über Jahre bewährte Lean- und Shopfloor-Management-Methoden kaum Berücksichtigung finden. Dabei können diese vermeintlich einfachen Methoden bei korrekter Anwendung einen enormen Einfluss auf die Effizienz und Flexibilität in den Fabriken haben.

In fast allen Projekten habe ich gelernt, dass die Berücksichtigung dieser bewährten Methoden am Ende auch über den Erfolg oder Misserfolg eines IT-Projekts entscheiden. Denn nur wenn die neuen Technologien die Organisation und die tägliche Führungsarbeit auf dem Shopfloor unterstützen, werden tatsächliche Verbesserungen erreicht. Meine Empfehlung daher: Führen Sie sich die Methoden des Lean Managements immer wieder vor Augen, wenn Sie Prozesse, Meeting-Strukturen oder Verantwortungsbereichen festlegen.

Weitere Blog-Beiträge


Fallbeispiel: Instandhaltung beim führenden Sitzmöbel-Hersteller


Dominik Doubek

02.03.2022 07:00 Uhr

Lesen

Elemente für wirksames Shopfloor Management - Ressourceneinsatz planen